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Student in Deutschland: Eine Welt vollerErlebnisse!
Bewerbungsphase und Ankunft in Deutschland
Die Bewerbung an meine deutsche Universität in München war schnell erledigt. Die Frist lief Mitte Juli aus und es waren gar nicht viele Unterlagen nötig: Ein ausgefülltes Bewerbungsformular, ein Zeugnis und ein kurzes Motivationsschreiben waren schon alles, was ich an die Uni schicken musste. Kurz darauf wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ich begann, meinen Umzug zu planen. Es gab das Angebot, an einer Sommer-Universität teilzunehmen, d. h. einem vierwöchigen Einführungskurs in die deutsche Sprache und Kultur bevor das Semester im Oktober tatsächlich begann.

Als ich in Deutschland ankam, traf ich einen Mitarbeiter der Sommer-Uni, der mir half, mich in der Wohnung zurechtzufinden, die ich zugewiesen bekommen hatte. Es war eine typisch deutsche WG mit fünf netten Mädels, die dort wohnten. Mein Aufenthalt in Deutschland nahm also einen guten Anfang! Die nächsten Wochen vergingen mit spannenden Exkursionen zu bayerischen Betrieben, Städten und Sehenswürdigkeiten - alles super organisiert von den Mitarbeitern der Sommer-Uni. Vormittags hatten wir vier Stunden Deutschunterricht, danach gab es Seminare von der Universität und einigen Betrieben. Abends ging’s zum Bowling, ins Kino oder Theater - alles auf Deutsch natürlich. Die bürokratischen Angelegenheiten waren schnell erledigt und bald war ich vollständig in Kultur und Alltagsleben in Deutschland integriert.
Sprachprobleme
Das größte Hindernis für norwegische Schüler in Deutschland ist wohl die deutsche Sprache. Ich selbst hatte Deutsch nur in der Mittelstufe und ein Jahr lang in der Oberstufe, also waren meine Voraussetzungen nicht wirklich die besten. In der Schule lernt man Deutsch sehr langsam und wie die meisten anderen Schüler auch, verbrachte ich nicht allzu viel Zeit mit diesem Wahlfach. Als ich in München ankam, hatte ich bereits einiges an Grammatik vergessen, aber ich konnte mich ganz gut verständlich machen, indem ich einfach norwegische Worte mit deutscher Aussprache verwendete.
Einmal in Deutschland aber, ging es mit der Sprache ziemlich schnell. Im Laufe der ersten zwei Monate konnte ich bereits so gut Deutsch verstehen, dass ich Unterhaltungen folgen konnte, ein Aufnahmegespräch führte und die deutsche Sprachprüfung an der Uni bestand. Damit war die letzte Hürde genommen und ich war nun offiziell Maschinenbaustudent an der Technischen Universität München.
Das Leben an der Uni
Dem Ersten, dem ich an der Uni begegnete, war ein Haufen verwirrter deutscher Jugendlicher. In meinem Semester gab es allein 1000 Studenten, die eine Ahnung von dem bekommen wollten, was man gemeinhin für das anspruchsvollste Studium an dieser Uni hielt. Wir bekamen eine Führung durch die Uni - erschrocken über eine Durchfallquote von über 88% - und hörten uns Quatsch-Vorlesungen von älteren Studenten an. Der Rektor hieß schließlich offiziell im Semester willkommen, indem er Freibier für alle neuen Studenten spendierte! Ich war wirklich in Deutschland!
Studentenleben
Nun sind schon über zwei Jahre verstrichen und es ist viel passiert, seit ich mein Studium in Deutschland begann: Die Anzahl der Studenten in meinem Semester ist geschrumpft, wir haben viele harte Prüfungen überstanden und einige tolle Feste gefeiert. Deutsche sind gegenüber Ausländern, die Deutsch lernen, immer freundlich gesinnt - besonders wenn es sich um Norweger handelt - und es hat nur ein paar Tage gedauert, bis ich mich vollständig integriert gefühlt habe.
Wir machen Ausflüge zusammen, gehen gemeinsam zu Partys und Veranstaltungen - in München und außerhalb. Wir helfen einander im Studium... und im Leben. Die meisten meiner Freunde kommen gar nicht aus München, sondern aus anderen Städten in Bayern oder ganz Deutschland. Deshalb haben wir uns in München alle ein wenig wie ”Ausländer” gefühlt und wir haben bei den Prüfungen an der Uni Seite an Seite gekämpft. Wenn man den ganzen Tag über nur Deutsch spricht, mit vielen unterschiedlichen Leuten, kann man leicht schon mal einige norwegische Worte vergessen. Deshalb ist es ganz nützlich, wenn man Kontakt zu anderen Norwegern in Deutschland hat.
ANSA (Association of Norwegian Students Abroad)
In Deutschland hat man viele verschiedene Möglichkeiten weiterhin mit Norwegern in Kontakt zu sein. Auf lokaler Ebene arrangiert ANSA, die norwegische Organisation für Studenten im Ausland, Veranstaltungen wie z. B. am 17. Mai - dem norwegischen Nationalfeiertag - oder in der Weihnachtszeit. Jeden Monat treffen sich Norweger in München an einem abgemachten Ort und trinken gemeinsam das eine oder andere Bier. Das norwegische Konsulat und die Studenten arbeiten gut zusammen und veranstalten Filmabende, Konzertbesuche und vieles andere mehr.
Zweimal im Jahr treffen sich 40 bis 50 norwegische Studenten von ANSA Deutschland, um sich über Erfahrungen des Studentenlebens und über Deutschland auszutauschen: Wir planen Skiausflüge nach Österreich, Oktoberfestbesuche in München oder das Norwegerfest in Mannheim. ANSA ist eine Organisation, die die norwegischen Studenten verbindet - man erinnert sich an die vielen Dinge zuhause in Norwegen, die man vermisst.
Zukunftspläne
Ich habe noch ein wenig mehr als zwei Jahre Studium in Deutschland vor mir und noch weiß ich nicht, ob ich nach meinem Aufenthalt hier zurück nach Norwegen gehe. Es gibt so einiges in Deutschland, das man sich nicht so leicht abgewöhnen kann - einmal abgesehen von den Preisen, der Möglichkeit, in ganz Europa als Student reisen zu können und eine eigene Wohnung für 1500 norwegische Kronen im Monat, gibt es mehrere andere Dinge an Deutschland und den Deutschen, die super sind:
1. Das Kulturleben ist um einiges vielseitiger als das in Norwegen. Es gibt Theater, Oper, Kino und Partys für jeden Geschmack, und gerade als Student hat man die Möglichkeit, eine andere Welt zu erleben - Dank günstiger Studentenermäßigungen.
2. Die Studien-, Industrie- und Forschungslandschaft ist größer. Als Maschinenbaustudent habe ich die Möglichkeit, Firmen wie BMW, Siemens oder MAN aus der Nähe zu besichtigen und von den Besten der Branche zu lernen.
3. Die deutsche Sprache ist eine Eintrittskarte in eine neue, unbekannte Welt. Eine riesige Anzahl Internetseiten und Programme sind auf Deutsch geschrieben, und dabei handelt es sich oft um Informationen, die man nirgendwo sonst finden kann. Obwohl die Deutschen eine große Gruppe sind, sorgt die gemeinsame Sprache für ein bedeutendes Zusammengehörigkeitsgefühl.
Gleichzeitig vermisse ich Norwegen, und der Außenblick zeigt mir, was für ein gutes Ansehen Norwegen genießt. Nie hat es so viel Spaß gemacht, auf Bergtouren zu gehen, oder in der Nordmark Ski zu fahren, nachdem man so viele Deutsche gehört hat, die von Reisen nach Norwegen träumen. Man lernt die norwegische Kultur mehr zu schätzen, ebenso wie die norwegische Lebenseinstellung, die von dem Gedanken geprägt ist, dass ”schon alles gut gehen wird.”
Die Vorteile eines Auslandsaufenthaltes
Der Aufenthalt in Deutschland war eine unglaublich wertvolle Erfahrung für mich und hat mir gezeigt, wie anders das Leben außerhalb von Norwegens Grenzen sein kann. Ich bin Menschen begegnet, die darum kämpfen mussten studieren zu können, da sie kein norwegisches Studiendarlehen bekommen können. Ich habe mit Deutschen gesprochen, die immer noch Schuldgefühle über den 2. Weltkrieg haben und sich für ihre Großeltern schämen. Ich habe einige der fortschrittlichsten Industrieanlagen der Welt gesehen und bin mit Tempo 200 über deutsche Autobahnen gefahren. Ich habe Tages- oder Wochenendtouren nach Spanien, Österreich, Frankreich, Tschechien, Ungarn und in große Teile Deutschlands gemacht. Ich weiß das Leben in Norwegen mehr zu schätzen habe gelernt, auf diese kleine Land im Norden stolz zu sein. Ich habe die unglaublichen Vorteile erfahren, die eine Mitgliedschaft in der EU hat und wie ein so großes Land wie Deutschland gegen Arbeitslosigkeit in der Arbeiterklasse kämpft und sich mit den enormen Gehältern von Managern auseinandersetzt.
Für diejenigen, die ihren Horizont in alle Richtungen erweitern und gleichzeitig eine nachgefragte und schöne Sprache lernen wollen, ist Deutschland die beste Wahl.








