Badges

Benutzeranmeldung

DNJF Oslo 2010
Veranstalter - Arrangert av:Veranstalter - Arrangert av
In Kooperation mit - I samarbeid med:In Kooperation mit - I samarbeid med

Ein Jahr inDeutschlandEin Jahr inDeutschland

Sprichst du Sächsisch?

”Wieso wolltest du nach Deutschland?” Diese Frage wurde mir oft gestellt, sowohl von meinen norwegischen als auch von meinen deutschen Freunden. Ja, warum reiste ich eigentlich nach Deutschland? Hauptsächlich, weil ich ein etwas anderes zweites Jahr in der Oberstufe verbringen wollte. Fast alle meine Cousinen und Cousins sind Austauschschüler gewesen, zwei von ihnen in Deutschland. Das spielte natürlich eine große Rolle bei meiner Wahl. Der Hauptgrund dafür, dass es gerade Deutschland wurde, war, dass ich zuätzlich zu Englisch noch eine Sprache fließend lernen wollte. Bevor ich abreiste hatte ich schon vier Jahre Deutsch in der Schule, und hatte gemeint, dass das meinen Alltag am Anfang erleichtern würde. Das, was ich nicht bedacht hatte, war, dass äußerst wenige Hochdeutsch sprechen, und dass es eine Herausforderung werden würde, den Dialekt Sächsisch zu verstehen. Im Nachhinein ist es zum Glück eine lustige Geschichte, dass ich am ersten Schultag ”Weiß nicht” antwortete, als mich ein Mädchen in der Klasse in starkem Dialekt fragte: ”Wie heißt du?”

Schulalltag in Deutschland

Ich war 16 Jahre alt, als ich nach Deutschland zog, näher gesagt nach Hainichen - ein kleiner Ort in Sachsen in Ostdeutschland. Ich sollte ein Jahr bei einer Gastfamilie verbringen und in die 11. Klasse im Gymnasium ”Am Breiten Teich” gehen. Der Schulalltag in Norwegen und in Deutschland ist sehr unterschiedlich. In Norwegen war ich an viel projektbezogenes und selbständiges Arbeiten gewöhnt. In Deutschland hieß es, alles in Ringhefter zu schreiben, was der Lehrer sagte. Es war schwierig, das niederzuschreiben was der Lehrer diktierte, hauptsächlich weil es so schnell ging und ich am Anfang gar nicht verstand, was der Lehrer sagte. Das freundschaftliche Verhältnis, das ich mit meinen norwegischen Lehrern hatte, wurde durch einen höflichen und formellen Ton ersetzt, mit ”Herr ...” und ”Frau ...” und ”Sie”. Die Klasse lachte sehr, als ich die Klassenlehrerin (Tutorin) Frau Kirmse ganz abwesend mit ”Du” statt mit ”Sie” ansprach. Man gewöhnt sich an alles, und nach und nach kam ich mit der deutschen Unterrichtsform gut zurecht. Dank meinem Schuljahr in Deutschland bin ich unglaublich gut darin geworden, mir Notizen zu machen - und ich habe Freunde für’s Leben gefunden!

...und die Sprache?

Ein guter Tipp für diejenigen unter euch, die nach Deutschland gehen und in die Gesellschaft Eingang finden möchten, ist, vom ersten Tag an Deutsch zu sprechen - selbst wenn man die Sprache fast gar nicht beherrscht. Ich bekam viel Respekt dafür, dass ich versuchte, mich mit ihnen in ihrer Sprache zu unterhalten.

Deshalb waren sie nachsichtig und halfen mir so gut sie konnten, indem sie langsam sprachen und mich berichtigten, wenn ich etwas falsch sagte. So wurde ich mit jedem weiteren Tag besser und nach ein paar Monaten sprach ich fließend Deutsch. Es war ein fantastisches Gefühl, als ich mich endlich am Unterricht und an Gesprächen mit Freunden beteiligen konnte - auf gleicher Ebene wie alle anderen Deutschen. Die besten Augenblicke hatte ich, als Deutsche, die mich nicht so gut kannten, glaubten, dass ich auch aus Deutschland sei.

Bahncard und die Fußball-WM

Es war traurig, von meinem neuen Heimatland zurück nach Norwegen zu ziehen. Ich habe in Deutschland viele lustige Dinge erlebt, die ich nie zuvor in einem Jahr erlebte. Zum Beispiel verbrachte ich viele Wochenenden und Ferien damit, mit dem Zug im Land herumzureisen und anderen Austauschschüler oder Deutschen zu begegenen, die ich kennenlernte. Zu Beginn des Jahres bekam ich eine Bahncard 25, zusätzlich dazu, dass es häufig andere Angebote für Bahnfahrkarten gab - eine Sache, die meine Reisen billig machte. Außerdem wohnte ich während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in der Nähe einer der WM-Städte, Leipzig. Es hat unglaublich Spaß gemacht zu sehen, dass die Deutschen endlich etwas von ihrem Nationalgefühl zeigen konnten - bei diesem großen Volksfest, das einen Monat lang dauerte. Dass sie dazu noch mit dem dritten Platz belohnt wurden, war etwas, dass sich niemand hatte träumen lassen, bevor das Turnier begann.

Die Zeit danach

Nachdem ich nach dem Jahr am Gynasium ”Am Breiten Teich” nachhause kam, machte ich eine außerschulische Vertiefungsprüfung in Deutsch, mündlich und schriftlich. Ich nahm an einem Kurs unter der Regie des Goethe Institutes Oslo teil und machte ein Examen, dass Zentrale Oberstufenprüfung (ZOP) heißt. Das war mit das Schwierigste, was ich je gemacht habe, denn die ZOP ist ein anspruchsvoller Sprachtest auf höchstem internationalen Niveau für Fremdsprachen. Aber im Nachhinein bin ich froh, das ich es gemacht habe. Jetzt kann ich an allen deutschsprachigen Unis studieren, da ich bewiesen habe, dass ich im Stande bin, Vorlesungen zu folgen und Aufgaben zu lösen.
Dass ich Deutsch beinahe ebenso gut spreche und schreibe wie ich Norwegisch beherrsche, ist ein enormer Vorteil. Ich fühle mich wohl unter Touristen, und da viele deutsche Touristen nach Norwegen kommen, bin ich als Guide oder Mitarbeiterin im Touristenbüro gefragt.

Das Deutsch-Norwegische Jugendforum

Im Herbst 2007 hatte ich die Gelegenheit mit knapp 50 anderen Norwegern nach Essen zu reisen und am ersten Deutsch-Norwegischen Jugendforum teilzunehmen. Es macht Spaß, an solchen Konferenzen teilnehmen zu dürfen und viele neue Menschen zu treffen. Zum kommenden Herbst werde ich Europäische und Amerikanische Studien - mit Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Ländern - studieren: Darauf freue ich mich sehr. Als ich in Deutschland lebte, lernte ich ein Land mit faszinierender Geschichte und Kultur kennen; und seit der Zeit war mir klar, dass ich noch mehr lernen und später wieder zurückkommen muss.
Ich ermutige alle, sich für das Deutsch-Norwegische Jugendforum zu bewerben, selbst wenn ihr das Gefühl habt, nicht gut genug Deutsch zu sprechen. Wenn ihr Glück habt, werdet auch ihr dieses spannende Land entdecken und ebenso fasziniert sein wie ich. Euch aus Deutschland will ich sagen: Norwegen ist mehr als Fisch, und ihr solltet euch Informationen beschaffen und mehr über dieses spannende Land im Norden herausfinden.

zurück